AW: Was liebt Ihr am meisten? - Dieser Beitrag ist 429 Tage alt Hallo Tina, darum beneide ich Dich sehr. Ich hatte keine besonders liebevollen Eltern. Bis zur Geburt meines Bruders (1962) spielte wenigstens mein Vater öfters mit uns. Als der "Stammhalter" da war, verschwand sämtliches Interesse an uns Töchtern. Ansonsten war/ist er tyrrannisch, jähzornig und rechthaberischer Einzelgänger. Meine Mutter zeigte nur mal Zärtlichkeiten, wenn wir Kinder krank waren. Ansonsten kenne ich sie nur als vollkommen überforderte, genervte, hektische und hysterisch rumschreiende Frau, das typische Opfer. Niemals interessierte sie sich für das, was in uns vorging. Aus heutiger Sicht sage ich: Mein Elternhaus war primär eine Versorgungsinstitution (Nahrung, Kleidung). Im Kinderheim hätte ich es wahrscheinlich kaum schlechter gehabt. Zu meinen Eltern habe ich vor 2,5 Jahren den Kontakt 100%ig abgebrochen. Schon Jahre vorher war mir eigentlich danach zumute, aber ich brachte nie den Mut auf. Vermutlich hatte ich erst aufgrund meiner schweren Erkrankungen gelernt, klare Prioritäten und Grenzen zu setzen. Um so besser verstehe ich mich seit 25 Jahren mit meiner Schwiegermama, für die ich wie die eigene Tochter bin. Wir können über alles reden, unterstützen uns gegenseitig, streiten auch mal und vertragen uns flott wieder. Sie würde ich, falls sie pflegebedürftig werden sollte, sofort in unser Haus aufnehmen und unterstützen, wo ich nur kann. Auch mit Schwiegerpapa (im August 2005 verstorben) verstand ich mich immer sehr gut. Manchmal könnte ich echt heulen, wenn ich die harmonische Beziehung zwischen Eltern und Söhnen/Töchtern erlebe (z.B. ausnahmslos in unserer Nachbarschaft). Meine nächstjüngere Schwester sagte kürzlich zu mir, sie komme mit allem vermutlich besser klar, weil sie mit ihren vier Kindern vieles kompensieren konnte, was in unserer Kindheit, Jugend und auch später vollkommen schiefgelaufen war. Auch sie hat ein sehr, sehr herzliches Verhältnis zu ihren Kindern (15, 18, 22 und 25 Jahre alt). Um zur Eingangsfrage zurückzukommen: Am meisten hätte ich es geliebt, hätte mich meine Mutter auch nur ein einziges Mal in meinem Leben in den Arm genommen und mir gesagt, dass sie froh ist, mich zu haben. Bezüglich meines Vaters hätte ich es grandios gefunden, hätte er mir jemals gesagt, dass er stolz auf mich ist. Liebe Grüße Angie |