01.05.2009 - 03.05.2009, Freiburg im Breisgau: Nach dem Armutsbericht der Bundesregierung aus dem Jahr 2008 sind 1,1 Millionen Kinder und Jugendliche unter18 Jahren Sozialhilfeempfänger, 12 der Kinder und Jugendlichen in Deutschland befinden sich somit in prekären Lebensverhältnissen. Die Folgen dieser Kinderarmut können für die gesundheitliche, psychische und soziale Entwicklung dramatisch sein: Entwicklungsstörungen, Übergewicht, Drogenkonsum, Unfälle und chronische Krankheiten treten vermehrt auf. Vielfältige armutsbezogene, strukturelle Defizite wie mangelnde Teilhabe an Bildung und das Fehlen von Interventions- und Präventionsmöglichkeiten setzen sie der Gefahr einer Chronifizierung körperlicher und psychischer Störungen aus. Kinderarmut ist immer auch Familienarmut. Grundlegende psychische Bedürfnisse wie haltende und dauerhaft sichere emotionale Beziehungen können nicht ausreichend befriedigt werden, wenn Eltern durch existentielle Sorgen belastet sind. Ein großer Teil psychischer Erkrankungen wird so durch soziale Faktoren in ihrer Entstehung und Ausprägung beeinflusst. Neben dem materiellen Aspekt zeigt sich Armut bei Kindern aus psychoanalytischer Perspektive zudem in einer anderen Dimension – Verarmung an Fantasie und Spielfähigkeit, von Defiziten der Symbolisierungs-, Beziehungs- und Bindungsfähigkeit. Allerdings ist nicht jedes Kind in Armut mit den gleichen Risiken für Gesundheit und Entwicklung belastet. Mitentscheidend sind die individuellen und familiären Ressourcen, wie zum Beispiel emotionale Unterstützung und soziale Integration, die das betroffene Kind in der Familie, im Freundeskreis oder in der Schule erfährt.Inwiefern sind also Kinder, die in deprivierten psychosozialen Verhältnissen aufwachsen, in ihren Entwicklungs- und Bildungsmöglichkeiten derart eingeschränkt, dass ihre inneren Lebenswelten verarmen? Raubt ihnen diese innere Verarmung die Möglichkeit zur sozialen Entwicklungs- und Integrationsfähigkeit oder bietet die Begrenzung auch Entwicklungsanreize? Welches sind die Faktoren, die dazu beitragen, dass Kinder sich trotz prekärer äußerer Lebensbedingungen positiv entwickeln? Welche Aufgabe kommt der Psychotherapie und Psychoanalyse des Kindes- und Jugendalters dabei zu? Wie zeigen sich die äußeren und inneren Armutsthemen in psychoanalytischen Behandlungen und in Übertragung und Gegenübertragung und welche unbewussten Konflikte inszenierensich in der therapeutischen Beziehung und verstellen den Zugang zu den inneren Lebenswelten? Die Tagung soll ein Forum für Diskussion und Auseinandersetzung bieten, zur Spurensuche zwischen verarmten äußeren und inneren Welten, die einander bedingen, aufeinander verweisen und dennoch unabhängig voneinander analysiert werden sollen.
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Arme – Kinder, Kinder – Armut: Psychoanalytische Reflexionen (56. Jahrestagung der VA
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