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Liebe Ursel,
ich danke dir erst mal für deine Antwort. Ich will auch nicht sagen, dass alle Lehrer unmotiviert sind oder so. Mich ärgert aber, dass sie zwar gern die Kinder (zumindest bei uns ist es so) in eine Schublade (
ADS, Intergation,...) stecken, aber ich das Gefühl bekomme, dass sie nicht daran interessiert sind, Ihnen wirklich helfen wollen.
Sicherlich gibt es Eltern, die sich aus welchen Gründen auch immer (z.B. Job), nicht genügend Zeit für ihre Kinder nehmen und sie vor dem Fernseher still stellen. Diesen Vorwurf musste ich mir auch schon des öfteren anhören. Aber ich denke, da macht man es sich zu einfach. Ich unternehme nämlich sehr viel mit meiner Tochter. Neben der Diagnostik und der Therapie, welche auch sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, basteln wir sehr viel oder malen. Wir machen viele Gesellschaftsspiele, die unter anderem auch die Konzentration fördern. Wir lesen sehr viel gemeinsam. Wir sind viel draußen in der Natur oder beschäftigen uns mit unseren Tieren (2 Katzen, 1 Meerschweinchen, 1 Neufundländer). Wir fahren zu Freunden oder baden oder in die Sauna und so weiter. Und mein Kind sitzt maximal eine halbe abends vor dem Fernseher.
Und die Schuld für die schulischen problem suche ich nicht in der Schule. Die grundlegenden Ursachen müssen ja im physischen oder psysischen Bereich gesucht werden. im 3. Lj. wurde bei meiner Tochter Sprachprobleme festgestellt, u. a. das Verwechseln von Buchstaben (phonematische und kinästetische Differenzierung). Damals haben wir auch mit der logopädischen Therapie begonnen und anfangs sehr große Fortschritte verzeichnen können. Später hat leider die Therapeutin gewchselt (auf Grund Mutterschaftsurlaub) und mit der neuen kam meine Tochter (und auch andere Kinder) nicht wirklich klar. (sehr streng) Damals war schon auffällig, dass sie zwar in ihrer Aussprache von der Logopädin verbessert wurde, aber meine Tochter sagte: "Ich weiß gar nicht, was sie von mir will, denn sie spricht es doch genauso aus, wie ich." Da die Beschimpfungen ihrerseits überhand nahmen und wir auch therapiemüde wurden (nach 3 Jahren nonstop ohne Pause), brachen wir die Behandlung ab, aber mit der Option diese zum späteren zeitpuinkt fortsetzen zu wollen.
In der Schule kam das Problem natürlich wieder zur Sprache. Nachdem verschiedene Leute sie genauer untersuchten, wurde sie (mit 3 weiteren Kindern der gleichen Klassenstufe) als Integrationskind aufgenommen. D.h. jedes Kind hat damit Anspruch auf 3 individuelle Integrationsstunden (also Einzelunterricht) außerhalb des normalen Schule. Realität ist aber, dass alle 4 Kinder die Stunden gemeinsam machen (was für mich noch nicht das Problem ist). Allerdings werden die Kinder für diese Stunden aus normalen unterricht rausgenommen. Damit zwar ein Loch gestopft, ein anderes aber aufgerissen. Daher braucht man sich auch nicht wundern, dass sich die schulischen Leistungen bei keinem der Kinder (ich habe mit den Eltern gesprochen) verbesserten und das obwohl die Lehrerin, die den Intergrationsunterricht macht, nicht nur sehr nett ist, sondern auch sehr kompetent und ich sage mal mit dem nötigen Herz für Kinder. Eine Änderung der Handhabung ist aber lt. Gesprächen mit der Lehrerin, Klassenlehrerin und Schulleitung nicht vorgesehen.
Dieses Integrationsprojekt wird unterstützt von deiner Diplom-Pädagogin für Sprach- und Stimmgestörte. Eine sehr nette Frau, von der wir alle begeistert sind. Wir fahren im 14-tägigen Rythmus zu ihr in die Praxis. Sie hat festgestellt, dass meine Tochter eine auditive Verarbeitungsstörung hat. D.h. die Laute werden zwar vom Gehör (es ist also i.O.) einwandfrei gehört, aber nicht ordentlich verarbeitet. Daher ist es ganz normal, dass sie keinen Unterschied bei bspw. m/n und er/a wahrnimmt. Warum das die Logopädin damals nicht festgestellt hat, weiß ich nicht. Das Schimpfen war jedenfalls unnötig, da meine Tochter gar nichts dafür kann.
Weiterhin stellte sie die geringe Merkfähigkeit fest.
In Mathe war auffällig, dass sie die Aufgaben manchmal prima konnte, einen anderen tag aber nicht. Und dass nicht nur zuhause, sondern auch in der Schule. Daher war die Mathelehrerin der Meinung, dass die auf jeden Fall ein 3er-Kandidat wäre.
Bei der Schulpsycholgin meisterte meine Tochter den Mathetest super. Sie kann es auch nicht verstehen, warum sie nur 4en und 5en in der Schule schreibt. Für sie ist sie ein 1er / 2er-Kandidat.
Es geht mir nicht darum, dass sie nur 1en und 2en schreibt. Aber 3en wären schon super. Man will ja schließlich nicht ständig um die Versetzung kämpfen.
Auf jeden Fall müssen zum einen die Ursachen gefunden werden und entsprechende Hilfemöglichkeiten. Dazu sollte erst mal ein gemeinsames Gespräch stattfinden. Leider gehen die Lhrer bei uns nur halbtags, d.h. 12:15 Uhr max 13:15 Uhr ist Feierabend. Da die Psychologin aber vorher andere Termine wahrnehmen muss (bspw. wenn die die Kinder während des Unterrichts beobachtet), kann sie erst ab 16 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt kann aber nie die Lehrerin. Ich frage mich ehrlich warum. Denn in jedem anderen Beruf, muss man auf exdterne Partner (Kunden, Klienten) Rücksicht nehmen. Und hier nicht um Geschäfte, Geld, Vermögen. Hier geht es um Kinder und ihre Zukunft. Und da habe ich eigentlich erwartet, dass man sich die Zeit nimmt. Dies ist leider nicht der Fall.
Ich will damit aber nicht sagen, dass alle Lehrer so sind. Aber es ist schade, dass es überhaupt solche gibt.
Und es auch nicht heißen, dass ich die Schuld der Schule zuschiebe oder die Verantwortung auf sie übertragen möchte. Ich fahre heute bspw. wieder zur Therapeutin wegen der aud.Verarb.störg. und nächste Woche fahre ich 150 km, um abklären zu lassen, ob das Kiss-Syndrom vorliegt. Denn ich frage mich, woher bspw. die aud.Verarb.störg. kommt. Das kann niemand hier erklären. Aber muss irgendwo ein Grund geben. Nichts ist einfach nur da. Bisher wurden nur die Syntome behandelt und die Erfolge waren mäßig. Und nun fange ich an, nach den Ursachen zu suchen. Aber egal, was bei der Diagnostik rauskommt: Alle (auch die Schule) müssen an einem Strang ziehen. Ich finde es für diese Kinder schade, wenn man alles dem Elternhaus zuschiebt. Wenn jeder einen kleinen Beitrag leistet, ist der Erfolg sicherlich größer, oder?
Sei ganz lieb gegrüßt
Kathi