Einzelnen Beitrag anzeigen
  #66 (Permalink)  
Alt 24.04.2007, 18:50
Benutzerbild von StarBuG
StarBuG StarBuG ist offline
Arzt

Diese Person ist in einem medizinischen Beruf tätig
 
Registriert seit: 03.11.2006
Ort: Frankfurt am Main
Alter: 30
Geschlecht: männlich
Beiträge: 558
Blog-Einträge: 2
Renommee-Modifikator: 10
StarBuG wird schon bald berühmt werdenStarBuG wird schon bald berühmt werden (105)
Standard AW: Wie lange sollte man stillen? Wie steht ihr dazu? - Dieser Beitrag ist 500 Tage alt

Zitat: von KittyKätzchen


Michael, hier ist der Artikel von Kathy Dettwyler.
Das natürliche Alter zum Abstillen

Zum Thema 'psychische Schäden', wenn man davon ausgeht, dass Kinder von selbst so lange stillen würden, wenn man sie ließe (und davon geht Dettwyler aus - eben ein natürliches Abstillen), dann bezweifle ich, dass da irgendwelche Schäden entstehen.
Kinder wollen weiter gestillt werden, weil sie die Nähe der Mutter wollen, nicht weil es um Hunger geht. Den Artikel den du zitiert hast, der führt eine Menge Behauptungen ins Feld, die aber in keinster Weise belegt werden. Die Berechnungen halte ich übrigens für nicht übertragbar.

Zitat:
Im Übrigen gibt es durchaus Tiere, die so lange stillen (entwicklungstechnisch gesehen), Pferdestuten z.B. trinken manchmal noch bei ihren Müttern, auch wenn sie selbst schon Fohlen haben.
Affen haben jedes Jahr Nachwuchs, genauso wie Pferde, und Milch ist eigentlich immer vorhanden.
Wie Monsti schon schrieb, wenn da mal zwischendurch ein älteres Kind dran will, dann ist das ok. Aber ein Kind alleine durchzustillen bis in dieses hohe Alter, das würden auch Tiere nicht machen. Wenn eine Stute nicht mehr gedeckt wird, dann hat sie nach einem Jahr auch langsam keine Milch mehr und stillt ab.

Zitat:
Warum? Weil es hier nicht üblich ist?
Nein, weil es für die emotionale Entwicklung des Kindes nicht unbedingt förderlich ist.
Wie ich schon sagte gehört es zur Entwicklung des Kindes, sich immer weiter von der Mutter zu lösen und die Welt für sich zu entdecken. Ein extrem enges Binden an die Mutter durch stillen wirkt diesem Trieb entgegen. Man kann seinem Kind auch durch Schmusen Nähe zeigen, ohne es zu stillen. Stillen gibt dem Kind das Gefühl, es ist noch immer das hilflose Baby der Mama.
Mal abgesehen davon, das es Ernährungsphysiologisch nicht wirklich mehr Sinn macht in dem alter noch zu stillen. Der Darm ist voll entwickelt und dafür ausgelegt, feste Nahrung zu verarbeiten. Genauso wie das Immunsystem vollkommen ausgereift ist, um mit sämtlichen Infekten klar zu kommen. Es ist sogar ein Training für das Immunsystem, wenn Kinder häufig krank sind. In Naturvölkern haben Kinder bis zum 6-7 Lebensjahr eingentlich fast konstant verrotzte Nasen, danach aber sind die meisten fast immer kerngesund.

Zitat:
Bei langer Vollstillzeit (was wie gesagt gar nicht so unüblich ist, ich kenne sehr viele Langzeitstillkinder, die erst spät mit Beikost angefangen haben) sollte man natürlich regelmäßig den Eisenspeichervorrat überprüfen lassen, eben um Mangelerscheinungen auszuschließen. Ansonsten ist dagegen eigentlich nichts einzuwenden.
Es geht nicht nur um Eisen, auch das Eiweiß und die Kalorien reichen zum normalen Gedeihen nicht mehr aus. Du als Stillberaterin solltest das aber eigentlich wissen

Muttermilch enthält ca. 70kcal pro 100ml.
Ein Kind im Alter von 8 Monaten wiegt im Schnitt 8,5kg (P 50) und bräuchte somit ca. 1000kcal. Das wären 1,4 Liter Muttermilch am Tag um den Energiebedarf zu decken.
Und das dies nicht so einfach machbar ist, darüber brauchen wir wohl nicht zu streiten, denke ich

Zitat:
Wenn ich ganz ehrlich bin - und das ist jetzt bitte nicht als Angriff zu verstehen - haben die meisten KiÄ, die ich bisher so kennengelernt habe und von denen mir Freunde erzählen, keine Ahnung von Säuglingsernährung.
Wieviele kennst du denn? Alle Ärzte die ich kenne, kennen sich exzellenten mit dem Energiebedarf und der Ernährung von Säuglingen aus. Und ich kann dir auf Anhieb 30 Ärzte nennen

Zitat:
Ich kenne eine Frau, deren KiA riet ihr, endlich mit Beikost anzufangen, als ihr Baby 3 1/2 Monate war. Das Kind war absolut nicht beikostreif, aber "die dünne Plörre" könne ja niemals reichen. Das Baby war ein absolut propperes Vollstillkind, die Mutter ist in Milch fast ertrunken. Es gab absolut keinen Grund, dem Kind Beikost zu geben.
Und mein KiA könnte mir wenig bis nix über die Beikostbereitschaft meines Kindes sagen - er sieht ihn so gut wie nie und kennt ihn daher so gut wie gar nicht. *schulterzuck*
Klar gibt es auch Ausnahmen.
Aber du als Stillberaterin scheinst ja auch wenig von Energiebilanz und Energiebedarf zu wissen (soll auch kein Angriff sein).
Man kann Kindern einfach nicht alles nach ihrem Kopf gehen lassen, dazu sind Eltern da. Ärzte sind dazu da, das die Kinder gesund bleiben und um sie wieder gesund zu machen, wenn sie mal krank sind. Stillberater wie du sind dazu da, den Müttern das stillen zu erklären und ihnen dabei zu helfen. Und alle zusammen ziehen wir an einem Strang damit die Kinder eine optimale Versorgung haben.

Zitat:
1) heißen die Dinger nicht aus Jux Milchzähne.
Und 2) sind wir darauf durchaus schon eingegangen, wir reden doch die ganze Zeit über Beikostbereitschaft etc.
Um mal ganz banal wieder meinen Sohn als Beispiel zu nehmen, wir haben mit 9 Monaten mit Beikost angefangen. Vorher war da absolut nix zu wollen. Nennenswerte Mengen hat er aber erst mit 1 1/2 gegessen, aber auch da bestand der Hauptanteil seiner Nahrung aus Muttermilch. Geändert hat sich das erst, als ich nachts abgestillt habe. Und mit den 2 Schneidezähnchen, die er mit 9 Monaten hatte, hielt sich die Auswahl an essbaren Nahrungsmitteln doch sehr in Grenzen. Mit 6 Monaten hatte er noch gar keine Zähne.
Beikost ist ja auch nicht direkt das Nackensteak und der grüne Apfel.
Man fängt mit Gläschen an, da muss ein Kind keine Zähne haben.
Ob ein Kind was ist hängt absolut von der Mutter ab.
Jedes Kind ist mit 6 Monaten Beikost, wenn man es ihm gibt.
Man sollte halt langsam anfangen, vor allem erst einmal mit einer Sorte Beikost.
Da würde sich zum Beispiel Karotte anbieten. Erst das Kind an den neuen Geschmack gewöhnen und über eine gewisse Zeit damit füttern. Dann kann man ein weiteres Gemüse dazu nehmen. So dann Stück für Stück die Anzahl der Lebensmittel erhöhen.
Aber dazu kann und sollte man sich von seinem Kinderarzt beraten lassen.
Man kann hier nämlich auch Fehler machen (z.B. zu früh mit Getreide anfangen).

Zitat:
Ich gehe halt einfach davon aus, dass Kinder in 90% der Fälle wissen, was sie wann brauchen - wenn man es ihnen nicht aberzieht und ihnen mit 4 Monaten den guten Karottenpamps reindrückt (ja, alles schon gesehen ), obwohl sie ganz deutlich zeigen, dass sie das nicht wollen. Steht ja auf dem Glas drauf, also kann es ja nicht verkehrt sein.
Ich lass mein Kind ja auch nicht auf die heiße Herdplatte fassen, nur weil es das will.
Kinder, die nur eine Ernährung kennen, werden von sich aus diese Ernährung nicht einstellen, weil das für deren Körper mit dem Leben nicht vereinbar wäre. Das nennt sich Selbsterhaltungstrieb.
Erst wenn man ihnen Alternativen anbietet, können sie sich daran gewöhnen.

Es liegt nun mal auch in der Natur der Sache, das jeder allem Neuen gegenüber erst einmal skeptisch ist. Man spricht ja auch von "auf den Geschmack kommen".
Sprich, ich muss meinem Kind, das bisher nur Muttermilch kennt, erst einmal Zeit geben, sich an den neuen Geschmack z.B. Karotte zu gewöhnen. Das hat absolut nichts mit "reindrücken" zutun.
Der Zeitpunkt aber dafür ist, wie ich schon sagte, von Kind zu Kind unterschiedlich und sollte zwischen dem 4ten und 6ten Lebensmonat liegen.

Mit Zitat antworten nach oben