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Alt 11.12.2007, 20:43
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Nikolaus mit Kater (Julia Breitenöder)

Meine Menschen sind im Ausnahmezustand. Sie schleppen Tüten und Taschen in die Wohnung, die sie in irgendwelchen Schränken verstauen, hören seltsame Musik, „Lustig, lustig, trallalalala“ und so ein Zeug, und andauernd stopfen sie sich Schokolade und Plätzchen in den Mund. Und was bekomme ich? Nur den üblichen Dosenfraß. Heute haben sie den ganzen Tag auf das Baby eingeredet und ihm von einem Mann erzählt, der Nikolaus heißt und Sachen in Schuhe tut. Völlig sinnlos. Erstens versteht das Baby sie sowieso nicht, es gibt nur unverständliches Gebrabbel von sich, zweitens hat es gar keine Stiefel. Das scheint die Menschen nicht zu stören, sie erzählen dem brüllenden Wesen immer wieder, dass es heute seinen Stiefel vor die Tür stellen muss. Und tatsächlich, kaum ist der kleine Quälgeist im Kinderzimmer eingeschlummert (in der Wiege, die eigentlich mein Bett sein sollte!), stellt sie einen riesigen roten Plastikstiefel vor die Tür, aus dessen Schaft alle möglichen Geschenke herausgucken. Wie war das mit dem Nikolaus? Sie werden doch den unschuldigen kleinen Menschen nicht belogen haben? Sollte an der Story was dran sein: In Ermangelung von Stiefeln habe ich mein Schälchen blitzblank geschleckt und an die Eingangstür geschoben. Er stolpert beim Hereinkommen darüber. „Mensch, Oscar, was soll denn das? Lass das Ding in der Küche! Spiel mit deinen Fellmäusen.“ Klingt, als würde der ominöse Nikolaus nicht zu Katzen kommen. Egal. Als sie im Schlafzimmer verschwunden sind, lege ich mich auf die Lauer. Ich will es wissen. Schon nach kurzer Zeit werden meine Augen schwer, das Quietschen einer Tür weckt mich. Der Nikolaus! Fehlanzeige. Sie schleicht mit einem Päckchen in der Hand durchs Zimmer und deponiert das Geschenk in seinem Schuh. Eine halbe Stunde später das gleiche Spiel mit vertauschten Rollen. Er stopft etwas in ihren Schuh und tappt wieder ins Schlafzimmer. Ich wusste es: Alles gelogen. Menschen sind seltsam. Gerade, als ich es mir auf dem Sofa bequem gemacht habe, knarrt die Wohnungstür, ein Mann in dunklen Kleidern mit schwarzer Mütze kommt ins Zimmer. Hatten sie nicht was von einem roten Mantel erzählt? Einen Sack hat er immerhin dabei. Ich setze mich erwartungsvoll hin. Aber irgendetwas stimmt nicht. Der Nikolaus steckt Sachen ein anstatt Geschenke zu verteilen. Schneller und schneller lässt er alle möglichen Dinge in seinem großen Sack verschwinden. Die Kamera und die Uhr könnte er ja meinetwegen haben, aber als er mein silbernes Schälchen einpackt, ist Schluss mit lustig. Mit ausgefahrenen Krallen springe ich dem blöden Nikolaus auf den Rücken. Der brüllt und lässt mit großem Getöse den Sack fallen. Die Menschen kommen aus dem Schlafzimmer und es gibt ein ziemliches Getümmel. Man könnte meinen, sie wären überrascht, den Nikolaus in der Wohnung zu sehen. Wer hat denn den ganzen Tag davon geredet? Schließlich holen zwei Männer in Uniform den Nikolaus ab und meine Menschen gehen wieder ins Bett. Ich versuche gar nicht erst, ihr Verhalten zu verstehen und kuschele mich aufs Sofa.
Am nächsten Morgen ist mein Schälchen randvoll mit allerlei Leckereien. Ob der Nikolaus noch mal da war?

Hoffentlich nicht nur was für die Katzenfreunde ...

Lieben Gruß,
Julia
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